Echter Mehltau am Apfelbaum erkennen und wirksam bekämpfen | Hofius Gartenfreund
Weißer Belag auf Apfelbaum? Erfahren Sie alles über den echten Mehltau: Symptome, Lebenszyklus, Auswirkungen auf Blätter, Blüten und Früchte sowie wirksame Maßnahmen zur Vorbeugung.
Der echte Mehltau
Der echte Mehltau gehört neben dem Apfelschorf zu den bedeutendsten Krankheiten am Apfelbaum.
Viele Gartenbesitzer entdecken zunächst einen weißen, mehlartigen Belag auf jungen Blättern oder Triebspitzen.
Wer früh handelt, kann den Krankheitsdruck häufig deutlich verringern. Dieser Ratgeber erklärt verständlich,
wie Mehltau entsteht, woran Sie ihn erkennen und welche Maßnahmen wirklich helfen.
Schnelltest
✓ Weißer, mehlartiger Belag auf jungen Blättern?
✓ Blätter eingerollt oder schmal?
✓ Triebspitzen wirken gestaucht?
✓ Blüten vertrocknen?
Treffen mehrere Punkte zu, liegt sehr wahrscheinlich echter Mehltau vor.
Was ist echter Mehltau?
Der Erreger heißt Podosphaera leucotricha. Er überwintert in befallenen Knospen und startet
bereits mit dem Austrieb im Frühjahr. Anders als Apfelschorf benötigt der Pilz keine anhaltende
Blattnässe. Deshalb wird er häufig als 'Schönwetterpilz' bezeichnet.
Symptome
Knospen:
• locker stehende Knospenschuppen
• treiben verspätet oder gar nicht aus
Blätter:
• weißer Belag
• eingerollt
• schmal
• später braun und vertrocknet
Triebe:
• verkürzte Internodien
• gestauchter Wuchs
• weiße Triebspitzen
Blüten:
• können vertrocknen
• schlechterer Fruchtansatz
Was passiert mit den Früchten?
Die Früchte werden meist indirekt geschädigt. Durch den geschwächten Blattapparat stehen dem
Baum weniger Assimilate zur Verfügung.
Mögliche Folgen:
• geringerer Fruchtansatz
• kleinere Äpfel
• netzartige Berostungen auf der Schale
• geringerer Zuckergehalt
• schwächeres Aroma
• geringerer Gesamtertrag
Im Unterschied zum Apfelschorf entstehen normalerweise keine tiefen Risse in der Schale.
🌱 Wie überwintert der echte Apfelmehltau?
Der Pilz überwintert hauptsächlich im Inneren befallener Blüten- und Blattknospen. Dort ist das Pilzgeflecht (Myzel) bereits im Knospengewebe vorhanden und bleibt den Winter über am Leben. Im Gegensatz zum Apfelschorf überwintert der Mehltau nicht vorwiegend im Falllaub.
Der Jahresablauf
🍂 Sommer
Während des Sommers infiziert der Pilz junge Triebe und neu gebildete Knospen.
➡️ Das ist entscheidend: Die Knospen für das nächste Frühjahr werden bereits im Sommer angelegt. Werden sie in dieser Zeit infiziert, trägt der Baum den Pilz praktisch schon in die nächste Saison.
❄️ Herbst und Winter
Der Baum wirft seine Blätter ab.
Die befallenen Knospen bleiben jedoch am Baum.
Im Inneren dieser Knospen überwintert das Myzel geschützt vor Wind und Wetter.
Bei sehr strengen Frösten können einige infizierte Knospen absterben, was den Befall im nächsten Jahr etwas verringern kann. Das reicht aber meist nicht aus, um den Pilz vollständig zu beseitigen.
🌸 Frühjahr
Sobald die Temperaturen steigen und die Knospen austreiben, wächst auch das Pilzgeflecht mit.
Deshalb sieht man oft schon die ersten jungen Blätter mit einem weißen Belag, sobald sie sich entfalten.
Diese sogenannten Primärinfektionen sind der Ausgangspunkt für die weitere Ausbreitung.
🌬️ Frühsommer
Auf den befallenen Trieben bildet der Pilz Millionen winziger Sporen (Konidien).
Der Wind verteilt sie auf weitere junge Blätter, Triebe und Blüten.
Es entstehen zahlreiche Sekundärinfektionen.
🌿 Sommer
Die neu entstandenen Knospen werden infiziert.
Damit schließt sich der Kreislauf.
Diese Knospen überwintern wieder – und im nächsten Frühjahr beginnt alles von vorn.
Stark anfällige Apfelsorten
🍎 Jonagold
Jonagold zählt zu den bekanntesten und gleichzeitig empfindlichsten Apfelsorten gegenüber Mehltau.
Der Baum wächst kräftig und bildet viele junge Triebe. Gerade dieses junge, weiche Pflanzengewebe wird vom Pilz bevorzugt befallen. Ohne regelmäßigen Obstbaumschnitt entsteht außerdem schnell eine dichte Krone, in der sich der Pilz leicht ausbreiten kann.
🍎 Idared
Idared gilt ebenfalls als sehr mehltauanfällig.
Die Sorte entwickelt regelmäßig lange Jungtriebe und reagiert besonders empfindlich auf starken Austrieb nach einer hohen Stickstoffdüngung. Deshalb sollte Idared konsequent ausgelichtet und nicht übermäßig gedüngt werden.
🍎 Cox Orange
Cox Orange ist zwar für seinen hervorragenden Geschmack bekannt, gehört jedoch zu den empfindlicheren Sorten.
Die Sorte reagiert insgesamt etwas sensibler auf verschiedene Pilzkrankheiten und benötigt einen sonnigen Standort sowie eine luftige Krone, um gesund zu bleiben.
🍎 Gala
Auch Gala zeigt in vielen Regionen eine erhöhte Anfälligkeit.
Der Baum wächst zügig und bildet viele junge Triebe, die besonders während der Hauptwachstumszeit leicht infiziert werden können.
🍎 Gravensteiner
Gravensteiner entwickelt häufig kräftige Austriebe und zählt deshalb ebenfalls zu den Sorten, bei denen Mehltau regelmäßig beobachtet wird.
🍎 Welche Apfelsorten sind besonders anfällig für Mehltau?
Nicht jeder Apfelbaum reagiert gleich empfindlich auf den echten Mehltau. Während einige Sorten schon bei geringem Infektionsdruck deutliche Symptome zeigen, bleiben andere selbst in Jahren mit starkem Befall vergleichsweise gesund.
Die Anfälligkeit einer Sorte hängt in erster Linie von ihren genetischen Eigenschaften ab. Manche Sorten besitzen eine natürliche Widerstandskraft gegen den Pilz, andere bilden besonders viele weiche Jungtriebe oder haben ein dichtes Kronenwachstum, wodurch sich der Pilz leichter ausbreiten kann.
Vergleichsweise robuste Apfelsorten
🍏 Topaz
Topaz gehört zu den beliebtesten robusteren Apfelsorten.
Sie wurde unter anderem mit dem Ziel gezüchtet, widerstandsfähiger gegenüber wichtigen Pilzkrankheiten zu sein. Zwar ist auch Topaz nicht vollständig immun, zeigt jedoch meist deutlich weniger Mehltaubefall als viele klassische Tafeläpfel.
🍏 Rewena
Rewena zählt zu den sogenannten Re-Sorten.
Diese wurden gezielt auf eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten gezüchtet. Dadurch tritt Mehltau deutlich seltener oder schwächer auf.
🍏 Florina
Florina besitzt eine gute natürliche Widerstandskraft gegen verschiedene Pilzkrankheiten.
Bei richtiger Pflege bleibt die Sorte häufig über viele Jahre weitgehend gesund.
🍏 Santana
Santana wurde ebenfalls gezielt auf Robustheit gezüchtet.
Durch ihre genetischen Eigenschaften entwickelt sie meist deutlich weniger Mehltau als klassische Wirtschaftssorten.
Warum unterscheiden sich die Sorten überhaupt?
Viele Gartenbesitzer glauben, dass Mehltau ausschließlich vom Wetter abhängt. Tatsächlich spielt die Apfelsorte eine ebenso große Rolle.
Die Unterschiede beruhen vor allem auf:
- 🧬 Genetischer Widerstandskraft gegen den Pilz
- 🌱 Stärke und Dauer des Jungtriebwachstums – je länger frische Triebe wachsen, desto länger steht anfälliges Gewebe zur Verfügung.
- 🍃 Kronenstruktur – dicht wachsende Kronen trocknen schlechter ab und schaffen ein günstigeres Mikroklima für den Pilz.
- 🌞 Wuchsverhalten – kräftig wachsende Sorten bilden oft mehr junges Gewebe, das der Mehltau bevorzugt befällt.
Keine Sorte ist vollständig vor Mehltau geschützt. Auch robuste Sorten können bei starkem Infektionsdruck oder ungünstigen Standortbedingungen erkranken. Umgekehrt bleiben anfällige Sorten oft über viele Jahre gesund, wenn sie regelmäßig fachgerecht geschnitten, ausgewogen gedüngt und gut gepflegt werden.
🌳 Mehltau am Apfelbaum vorbeugen
Die beste Bekämpfung des echten Mehltaus beginnt bereits, bevor die ersten Symptome sichtbar werden. Mit einigen einfachen, aber wirkungsvollen Pflegemaßnahmen lässt sich das Risiko eines starken Befalls deutlich reduzieren. Dabei geht es vor allem darum, dem Pilz möglichst ungünstige Lebensbedingungen zu schaffen und den Apfelbaum gesund und widerstandsfähig zu erhalten.
✂️ Die Baumkrone regelmäßig auslichten
Ein fachgerechter Obstbaumschnitt ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Mehltau.
Mit der Zeit entwickeln viele Apfelbäume eine dichte Krone. Die zahlreichen Triebe beschatten sich gegenseitig und die Luft kann kaum noch zirkulieren. Dadurch entsteht ein feuchtes Mikroklima, das viele Pilzkrankheiten begünstigt. Auch wenn Mehltau keine lang anhaltende Blattnässe benötigt, profitiert der Pilz von dichtem, schlecht belüftetem Jungtriebwachstum.
Durch das regelmäßige Auslichten der Krone gelangt mehr Sonnenlicht in den Baum. Gleichzeitig verbessert sich die Luftzirkulation, sodass Blätter und Triebe nach Tau oder Regen schneller abtrocknen. Außerdem wachsen die neuen Triebe gleichmäßiger und kräftiger.
Ein weiterer Vorteil: Eine lockere Krone erleichtert die Kontrolle des Baumes. Befallene Triebspitzen werden schneller erkannt und können sofort entfernt werden.
💡 Tipp vom Obstbaumpfleger:
In meiner täglichen Arbeit sehe ich häufig Apfelbäume, die über viele Jahre nicht geschnitten wurden. Gerade bei diesen Bäumen tritt Mehltau besonders häufig auf. Nach einem fachgerechten Auslichtungsschnitt verbessert sich die Belichtung der Krone deutlich und der Krankheitsdruck nimmt oft bereits im folgenden Jahr spürbar ab.
🌱 Befallene Triebspitzen frühzeitig entfernen
Der echte Mehltau überwintert hauptsächlich in befallenen Knospen. Treiben diese im Frühjahr aus, sind die jungen Blätter und Triebe bereits infiziert und bilden schon nach kurzer Zeit neue Sporen.
Deshalb sollten befallene Triebspitzen möglichst früh entfernt werden – idealerweise bereits beim ersten Austrieb oder sobald die typischen weißen Beläge sichtbar werden.
Schneiden Sie den Trieb dabei einige Zentimeter unterhalb der befallenen Stelle bis ins gesunde Holz zurück. So wird sichergestellt, dass möglichst kein infiziertes Gewebe am Baum verbleibt.
Entfernen Sie das Schnittgut anschließend aus dem Garten oder entsorgen Sie es über die Biotonne. Befallenes Material sollte nicht einfach unter dem Baum liegen bleiben.
Je früher infizierte Triebe entfernt werden, desto weniger Sporen kann der Pilz im Laufe des Sommers bilden.
🌿 Stickstoff nur maßvoll düngen
Stickstoff ist ein wichtiger Pflanzennährstoff und sorgt für kräftiges Wachstum. Eine übermäßige Stickstoffdüngung kann jedoch den Mehltaubefall fördern.
Der Grund dafür ist einfach:
Hohe Stickstoffmengen führen zu einem besonders starken Austrieb mit vielen weichen, jungen Trieben. Genau dieses frische Pflanzengewebe wird vom Mehltau bevorzugt befallen.
Eine ausgewogene Düngung sorgt dagegen für ein gesundes Wachstum ohne übermäßigen Neuaustrieb.
Verwenden Sie deshalb Dünger möglichst bedarfsgerecht und vermeiden Sie hohe Stickstoffgaben im späten Frühjahr oder Sommer.
🔍 Den Baum regelmäßig kontrollieren
Je früher Mehltau erkannt wird, desto einfacher lässt er sich eindämmen.
Kontrollieren Sie Ihren Apfelbaum insbesondere zwischen April und Juli regelmäßig.
Achten Sie dabei vor allem auf:
- weiße Beläge auf jungen Blättern
- eingerollte Blattspitzen
- schmale Blätter
- gestauchte Triebe
- befallene Blüten
- ungewöhnlich kleine Jungfrüchte
Bereits wenige befallene Triebe können ausreichen, um den Pilz im gesamten Baum zu verbreiten.
🍏 Robuste Sorten bevorzugen
Wer einen neuen Apfelbaum pflanzen möchte, sollte möglichst auf widerstandsfähige Sorten achten.
Robuste Sorten besitzen eine höhere natürliche Widerstandskraft gegenüber Mehltau und werden häufig deutlich seltener oder schwächer befallen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Sorten vollständig immun sind. Auch robuste Apfelbäume können bei ungünstigen Bedingungen erkranken.
Dennoch verringert die richtige Sortenwahl das Risiko erheblich und reduziert häufig den Pflegeaufwand.
🍎 Mehltau richtig behandeln
Wird der echte Mehltau früh erkannt, lässt sich seine Ausbreitung häufig mit einfachen Maßnahmen deutlich einschränken. Ziel ist es, die Anzahl der Pilzsporen möglichst gering zu halten und gleichzeitig den Baum zu stärken.
✂️ Befallene Triebe konsequent ausschneiden
Die wichtigste Maßnahme besteht darin, alle befallenen Triebe möglichst früh zu entfernen.
Schneiden Sie die Triebe einige Zentimeter unterhalb der sichtbaren Befallsstelle bis ins gesunde Holz zurück.
Kontrollieren Sie den Baum während der gesamten Hauptwachstumszeit regelmäßig, da ständig neue Triebe entstehen können.
Besonders wichtig ist dies zwischen Mai und Juli.
🌳 Krone luftig halten
Nach dem Entfernen der befallenen Triebe sollte die Krone ausreichend ausgelichtet werden.
Dadurch gelangt mehr Licht in den Baum und die Luft kann besser zirkulieren.
Das verbessert nicht nur die Vitalität des Baumes, sondern erschwert auch die weitere Ausbreitung vieler Pilzkrankheiten.
🍂 Schnittgut richtig entsorgen
Befallene Triebe sollten möglichst vollständig aus dem Garten entfernt werden.
Wer größere Mengen Schnittgut kompostiert, sollte darauf achten, dass der Kompost ausreichend heiß wird. In vielen Hausgärten ist das jedoch nicht der Fall. Deshalb ist die Entsorgung über die Biotonne häufig die sicherere Lösung.
🌱 Den Baum stärken
Ein gesunder Baum kann einen Mehltaubefall deutlich besser verkraften.
Dazu gehören:
- eine ausgewogene Düngung
- ausreichende Wasserversorgung bei Trockenheit
- ein geeigneter Standort
- regelmäßiger Obstbaumschnitt
- keine unnötigen Verletzungen an Ästen oder Stamm
🧪 Pflanzenschutzmittel – nur wenn wirklich nötig
Im Hausgarten reicht in vielen Fällen eine Kombination aus regelmäßigem Obstbaumschnitt, dem konsequenten Entfernen befallener Triebe und einer guten Pflege aus, um den Mehltau wirksam einzudämmen.
Bei sehr starkem Befall oder im professionellen Obstbau können zugelassene Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Diese sollten jedoch stets entsprechend der Zulassung und Gebrauchsanweisung verwendet werden.
💡 Tipp vom Obstbaumpfleger
Viele Gartenbesitzer schneiden nur im Winter. Beim Mehltau reicht das oft nicht aus. Kontrollieren Sie Ihren Apfelbaum auch während der Vegetationszeit regelmäßig. Werden die ersten befallenen Triebspitzen sofort entfernt, kann der Pilz deutlich weniger neue Sporen bilden und der Befall bleibt häufig auf wenige Triebe begrenzt.
Fazit
Echter Mehltau ist gut erkennbar und bei frühzeitigem Eingreifen meist gut kontrollierbar.
Die wichtigsten Maßnahmen sind regelmäßige Kontrollen, das Entfernen befallener Triebe und ein
fachgerechter Obstbaumschnitt mit einer lockeren, gut belüfteten Krone.